Geschäftsentwicklung im Jahr 2015

Volksbanken und Raiffeisenbanken mit dem Geschäftsjahr 2015 rundum zufrieden

Die Vorstände der Volksbanken Raiffeisenbanken in Rottal-Inn präsentieren die Entwicklung des zurückliegenden Geschäftsjahres, v. l. die Direktoren Wilfried Pex, Alfred Schoßböck, Alois Zisler, Claudius Seidl, Christian Forstner, Martin Salzberger und Albert Griebl. Nicht im Bild: Dir. Stefan Sendlinger.

Pfarrkirchen. Die drei im Landkreis Rottal-Inn ansässigen Kreditgenossenschaften, die Raiffeisenbank Arnstorf eG, die Rottaler Volksbank-Raiffeisenbank eG und VR-Bank Rottal-Inn eG blicken auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2015 zurück. „Wir stehen fest auf der Basis unserer genossenschaftlichen Grundwerte, nämlich Partnerschaft, Nachhaltigkeit, Kompetenz und Kundennähe“, so der Vorsitzende der im Kreisverband organisierten Genossenschaftsbanken, Direktor Claudius Seidl.

In allen Geschäftszweigen konnten Marktanteilsgewinne erzielt werden und so die ohnehin bereits gute Marktposition erneut ausgebaut werden. Rund 47.000 Bürgerinnen und Bürger aus der Region sind Mitglieder der drei Kreditgenossenschaften und damit ihre Eigentümer. Diese Mitgliederorientierung sorge für eine tiefe Verwurzelung in der Region und verankere damit die Genossenschaften in der Mitte der Gesellschaft. „Unsere Banken orientieren sich nicht am schnellen Erfolg sondern am langfristigen auf partnerschaftlicher Basis erarbeiteten Erfolg, unser Geschäft muss einen Mehrwert für alle Beteiligten bringen“, so Seidl.

Dass dieses Geschäftsmodell 2015 von den Mitgliedern und Kunden im vollen Umfang angenommen wurde, zeigen die beeindruckenden Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr. Die addierte Bilanzsumme aller drei Genossenschaftsbanken stieg um 117 Mio. Euro auf 2.747 Mio. Euro, was einem relativen Zuwachs von 4,4 % entspricht. Großes Vertrauen genießen die drei Banken auch weiterhin bei ihren Einlegern. So konnte die Position der Kundengelder, das sind diejenigen Gelder, welche von den Kunden direkt den Banken anvertraut werden, auf 1.956 Mio. Euro erhöht werden. Mit einem Plus von 91 Mio. Euro bzw. 4,9 % hat sich diese Bilanzposition mehr als erfreulich entwickelt und zeigt das große Vertrauen der Anleger. Die von der EZB initiierte Niedrigzinspolitik macht eine qualifizierte Beratung der Kunden notwendiger denn je. Dabei muss jeder Anleger seine eigene Balance zwischen den Polen Sicherheit, Liquidität und Rendite selbst finden. Er sollte sich dabei jedoch den Rat des Fachmanns einholen und nicht voreilig auf unseriöse Renditeversprechen setzen. Rendite und Risiko sind Geschwister, das eine ist ohne das andere nicht zu haben. Alle drei Banken erteilten sogenannten Negativzinsen für die Privateinleger derzeit eine klare Absage. Inwieweit dies in der Zukunft bei einer sich weiter ins Negative entwickelnden Zinslandschaft durchzuhalten sei, liege in erster Linie an der Politik der EZB.

Besonders erfreulich entwickelte sich im Geschäftsjahr 2015 das Kreditgeschäft. Die Ausleihungen an Kunden konnten um rund 10 % gesteigert werden. Die Kredite an Privatpersonen expandierten dabei um 12,6 %. Dies betrifft in erster Linie den Wohnungsbau, der sich mit einem Plus von 14,4 % mehr als positiv entwickelte. Der Geschosswohnungsbau ist wieder zurück und es werden Eigentumswohnungen für Eigennutzer und Kapitalanleger gebaut. Die Kreditgenossenschaften betrachten sich als Wohnbaufinanzierer Nr. 1 in der Region und wollen den Marktanteil in diesem Bereich weiter ausbauen. Das gewerbliche Kreditgeschäft expandierte um 8,6 %, was vor dem Hintergrund der sehr guten Liquiditätsausstattung der meisten Unternehmen als sehr erfreuliche Entwicklung gewertet wurde. „Unsere Handwerker und mittelständischen Unternehmer wissen, dass sie sich auf ihre Kreditgenossenschaft vor Ort verlassen können. Dies haben wir gerade in der Finanzmarktkrise eindrucksvoll unter Beweis gestellt und wir werden auch in Zukunft an der Seite unserer Gewerbetreibenden sein“, so die Direktoren aller drei Kreditgenossenschaften.

Während fast alle anderen Bankengruppen Mitarbeiter abbauen und ihr Heil auf der Kostenseite suchen, haben die regionalen Kreditgenossenschaften ihre Mitarbeiterzahl mit 723 konstant gehalten. Der Anspruch der Banken sei es, für die Mitglieder und Kunden individuelle Lösungen anzubieten und hierfür bedarf es einer motivierten und kompetenten Mannschaft. 4.800 ausgereichte Programmkredite, d.h. Kredite über die KfW, LfA oder landwirtschaftliche Rentenbank mit einem Volumen von rund 320 Mio. Euro seien der absolute Beweis dafür, dass man für die Kunden individuelle und maßgeschneiderte Lösungen suche.

Die drei Kreditgenossenschaften sind dabei eingebettet in eine gut funktionierende genossenschaftliche Finanzgruppe, mit der sie eine langjährige und erfolgreiche Zusammenarbeit verbindet. So wurden im Vermittlungsgeschäft mit beispielsweise der Bausparkasse Schwäbisch Hall, der R+V Versicherung oder auch der Union Investment Gesellschaft wieder sehr erfreuliche Zahlen erzielt. Das sog. betreute Kundenanlagevolumen (hierin werden neben den bei den Banken angelegten Geldern auch die an den Verbund vermittelten Anlagen gezählt) stieg um 6,6 % auf 3.041 Mio. Euro und nahm damit erstmals die 3 Mrd.-Hürde. Gemessen an der Bilanzsumme, den 48 Geschäftsstellen und den 723 Mitarbeitern ist keine Bankengruppe im Landkreis näher an ihren Kunden und vom Wirtschaftsfaktor bedeutender als die drei Kreditgenossenschaften. Das erfolgreiche Geschäftsjahr 2015 wird auch zu einer nicht unwesentlichen Steigerung des Gewerbesteueraufkommens führen, das bedeutet, Erfolge, die in der Region erzielt werden, kommen gleichzeitig wieder der Region zugute. „55 junge Menschen machen derzeit eine Ausbildung in unseren Banken und sind mit die Garanten dafür, dass wir uns auch in der Zukunft jeweils rechtzeitig allen Herausforderungen stellen werden“, so Seidl.

Als große Herausforderungen der Gegenwart sind das niedrige Zinsniveau, die galoppierende Regulatorik sowie die Digitalisierung zu nennen. Das Niedrigzinsumfeld werde auch in der Zukunft dafür sorgen, dass die Margen im kapitalabhängigen Geschäft weiter unter Druck stehen. Der entscheidende Akteur auf dem Feld der Zinslandschaft ist die EZB. Aus heutiger Sicht müsse man noch von einer längeren Niedrigzinsphase ausgehen. Die Banken müssen dabei in ihren Kerngeschäftsfeldern um 5 % bis 7 % wachsen, um letztendlich unter dem Strich bei kleineren Margen in absoluter Höhe die gleichen Erträge zu erzielen als im jeweiligen Vorjahr. Dies ist selbstverständlich eine große Herausforderung, da jedes Jahr von einer höheren Basis aus gestartet wird. Aufgrund der guten Verankerung im Markt und der tiefen Verwurzelung im Kundengeschäft sind die Kreditgenossenschaften sich sicher, diese Herausforderung auch in der Zukunft erfolgreich zu bestehen.

Größere Sorgen bereitet das Thema Regulatorik, da die Aufsichtsbehörden immer weniger Rücksicht auf die Besonderheiten regionaler Kreditinstitute nehmen. Seidl führte aus, dass es für die EZB natürlich leichter sei, einheitlich strukturierte Banken zu überwachen. „Es wird endlich Zeit, den unter Volldampf fahrenden Zug der Regulatorik abzubremsen und die derzeitigen Verordnungen und Erlasse auf ihre Sinnhaftigkeit zu überprüfen. Der Eindruck hat sich verfestigt, dass regionale Besonderheiten im Bankenmarkt seitens der Aufsicht nicht gewünscht sind“, so Seidl. Die Kreditgenossenschaften sehen sich dabei als Benchmark, sind sie doch ohne jegliche staatliche Hilfe durch die Finanzmarktkrise gekommen und haben in diesen schwierigen Zeiten bewiesen, dass sie stabil an der Seite ihrer Kunden stehen und so die Volkswirtschaft vor großen Turbulenzen bewahrt haben. „Doch anstatt unser Geschäftsmodell als Maßstab zu sehen, werden wir immer mehr reglementiert und eingeengt, dies wird auf die Dauer nicht gut gehen“, so der Kreisverbandsvorsitzende. Als absolutes Schreckgespenst gelte dabei die von der EU-Kommission betriebene Vereinheitlichung der Einlagensicherung. Solide wirtschaftende Banken müssten dann Geld nach Brüssel in einen gemeinsamen Topf aller europäischen Banken einzahlen, aus diesem Topf würden dann die Einleger schlecht wirtschaftender Banken im Insolvenzfall entschädigt. Dies bedeutet eine Vergemeinschaftung von Verlusten und würde dazu führen, dass deutsche Sparer für Schieflagen im europäischen Ausland zahlen müssten. „Eine absolute Horrorfiktion“, so die Direktoren. Die deutsche Politik stehe dabei fest an der Seite der deutschen Banken und es bleibt zu hoffen, dass diese Haltung nicht auf dem Altar der Kompromisse in Brüssel irgendwann geopfert wird.

Die große Herausforderung der Zukunft sei jedoch die fortschreitende Digitalisierung unserer Gesellschaft. Für die regionalen Banken heißt es, ihren Platz in der digitalen Welt zu finden und zu festigen. Hierbei gelte es, neue Entwicklungen intensiv zu beobachten und sich auch für neue Medien und Vertriebskanäle zu öffnen. Mit paydirekt haben die Kreditgenossenschaften einen Schritt nach vorne bezüglich der Bezahlsysteme im Internet gemacht.

„Die Herausforderungen der Zukunft werden nicht kleiner werden, aber wir sind da, um diese auch morgen erfolgreich zu bestehen. Wir haben eine gute Mannschaft, wir sind gut aufgestellt, wir stehen mit beiden Beinen auf dem Boden und sind tief in unserer Heimat verankert“, so die Direktoren. Diese gemeinsame Basis gibt den drei Kreditgenossenschaften die Gewissheit, sich auch in der Zukunft erfolgreich am Markt behaupten zu können.